Über mich

Andajama – bin ich, André Lindert
Mein Lebensweg, zur Musik

Musiknoten sind seit meiner Schulzeit ähnlich wie Formeln in der Mathematik eine fremde Sprache für mich. Im Schulchor konnte ich mich gut an meinen MitsängerInnen orientieren und erkannte auf dem Notenblatt, bei welchen Silben Noten höher oder tiefer waren. Im Gesangsunterricht arbeiteten wir mit dem Klavier, da hatte ich einen optischen/akustischen Anker und konnte mir Noten auf der Klaviertastatur bildlich vorstellen und diese einordnen.

Zwischendrin sollte ich Gitarre lernen, jedoch war mein Gehirn nicht darauf vorbereitet mit den Händen unterschiedliche Dinge zu tun – Greifen und Anschlagen. Daheim klopfte, trommelte und zupfte ich mit Vergnügen auf meiner Gitarre. Doch durch den steifen Unterricht nach Noten und festen Methoden verlor ich schnell Geduld und Spaß am Erlernen des Instruments. Meine Geschwister bekamen derweil Keyboardunterricht. Wenn kein Unterricht war, verbrachte ich oft stundenlang am Keyboard und spielte zu den eingespeicherten Soundsamples Melodien, experimentierte mit den vielen Einstellungen und erfand so den ein oder anderen Dance-Track, der heute noch auf einer verstaubten Diskette zu finden sein dürfte.

Musiker spiegelt sich in dem Ding seiner Handpan. Die Farben des Zeltes in dem der Auftritt ist, spiegeln sich auch.
Buntes Zirkuszelt als Location für Handpan Musik

Viele Jahre vergingen, ohne aktiv Musik gemacht zu haben. Ich absolvierte Fachabitur und Designstudium. Ich besuchte Musikfestivals und konnte meine Beine bei guter Musik kaum stillhalten. Im Gegenteil, ich verstand es nicht, wie Menschen nicht tanzen konnten, wenn irgendwo Musik gespielt wurde.

Rhythmus ist Leben und jedes Leben hat seinen Rhythmus.
So blieb ich der Musik immer treu.

Andajama

Eines Tages schlenderte ich über das Weltmusikfestival „Bardentreffen“ in Nürnberg, es müsste 2008 gewesen sein. In den Straßen drangen unerwartete Klänge an mein Ohr, die mich wie magisch anzogen. Rafael Sotomayor spielte auf einer Hang gemeinsam mit einem Drummer und loopte seine Sounds. Da saß ich nun gefühlt drei Stunden und konnte mich vor Verzückung nicht vom Fleck bewegen. Ich sog diese neuen musikalischen Klänge und Eindrücke regelrecht auf und musste mehr davon haben. Da ich dem Musiker das Instrument nicht direkt aus den Händen reißen konnte, musste ich mich erstmal mit einer CD zufriedengeben.

Daheim recherchierte ich nach Möglichkeiten, ein solches Instrument zu erwerben. Leider gab es zu dieser Zeit nur sehr wenige und sehr teure Hangs (damals gab es nur das Original) zu erwerben, dazu musste man noch viele Monate auf das Instrument warten. In den folgenden Jahren sah ich mich immer wieder im Internet und auf Musikmärkten nach Hangs/Handpans um. 2016 war es dann endlich so weit, ich konnte mir ein Instrument leisten und fuhr nach Dortmund – um probezuspielen und schlussendlich eine Edelstahl-Handpan von Baur & Brown mitzunehmen. Damals unwissend, dass ich mit der Frequenz 432 Hz nur bedingt mit anderen Musikern zusammenspielen kann.

Nach einem Jahr des Übens daheim zog es mich raus, ich spielte für Freunde, Familie und auf den ersten Veranstaltungen. Ich begann, meine Faszination für die Handpan mit meiner Musik auf andere Menschen zu übertragen. Das ist für mich immer noch eine superschöne Erfahrung, die ich bei Konzerten, Auftritten und Straßenmusik erleben darf.

Glücklicherweise fand ich eines Tages heraus, das Clemens Handschuch in Nürnberg Handpans „Soulshine Sounds“ baut und weiterentwickelt. Seitdem stehen wir in Kontakt und ich freue mich jedes mal, wenn ich eine seiner Soulshines spielen darf. Daduch lernte ich auch die ansässige Handpan Community kennen und war ab und an bei Jams in der Werkstatt von Clemens dabei.

Handpan Musiker spielt in der Nürnberger Innenstadt
Auftritt Handpan und Gitarren Duo im Staatstheater Nürnberg
Gemeinsamer Auftritt mit der Gitarristin Claudia Roch im Staatstheater Nürnberg.

2018 besuchte ich das GRIASDI Handpan Gathering & Festival in Österreich und lernte einige Handpan-Builder, u. a. Matthieu von Shellopan, kennen. Eine ausgestellte Handpan in der Skala Aeolian faszinierte mich während dem Probespielen. Dennoch wollte ich sie nicht direkt aus dem Impuls heraus kaufen. Es vergingen mehrere Monate, bis ich mich entschloss, Matthieu in Straßburg zu besuchen, um mir dort eine neue Handpan auszusuchen. Dieses Mal testete ich mehrere Stunden ausgiebig und entschied mich wider Erwarten nicht für die Aeolian, sondern für eine eher seltene Skala, eine Romanian Hijaz in E.

2019/20 ist die Zeit gewesen,
um mit anderen Musikern zusammenzukommen und über Musik zu kommunizieren.

Andajama

Mit der Zeit entwickelte ich verschiedene Finger- und Schlagtechniken. Viele Melodien und Rhythmen entstanden zusätzlich spielte ich immer häufiger vor Publikum. Da sich die ganze Magie der Musik oft im Zusammenspiel diverser Instrumenten entfaltete, begann ich 2019 vermehrt mit anderen Menschen Musik zu machen. 2020 fand sich ein noch namenloses Duett mit Claudia Roch – Klassische Gitarre. Während des Jammens und bei Auftritten merkten wir schnell, dass Gitarre und Handpan – wir beide – musikalisch sehr gut harmonieren.

Seit Mitte 2019 bin ich selbstständiger Handpan Musiker, spiele Auftritte, Konzerte und mache Straßenmusik. Außerdem ist es mir ein großes Anliegen, mein Wissen an andere Menschen weiterzugeben und ihnen einen Weg zu diesem tollen Instrument zu eröffnen. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, Handpan spielen zu lernen. Ich kann jeden, der von dem Instrument fasziniert ist und den inneren Drang/Wunsch verspürt, nur dazu ermutigen es zu versuchen. Denn wie man bei mir sieht, auch ohne Noten lesen zu können oder großartige musikalische Vorkenntnisse, ist es möglich, Handpan zu spielen.